TV News und Presseservice Dr. phil. Michael Schäf
 
 
Leseprobe: "Der letzte Tag der Schöpfung"

"Also ward vollendet Himmel und Erde mit ihrem ganzen Heer.
Und so vollendete Gott am siebenten Tag seine Werke, die er machte, und ruhte am siebenten Tag von allen seinen Werken, die er machte.
Und Gott segnete den siebenten Tag und heiligte ihn, darum daß er an demselben geruht hatte, von allen seinen Werken, die Gott schuf und machte."Also ist Himmel und Erde geworden, da sie geschaffen sind, zu der Zeit, da Gott der Herr Erde und Himmel machte.
Und allerlei Bäume auf dem Felde waren noch nicht auf Erden, und allerlei Kraut auf dem Felde, war noch nicht gewachsen; denn Gott der Herr hatte noch nicht Regnen lassen auf Erden und es war kein Mensch, der das Land baute."


(1. Moses 2/1,2,3,4,5)

Der Mann richtet sich langsam auf. Er greift mit der rechten Hand nach dem Sack, der vor ihm auf dem Boden liegt, wirft ihn sich auf die Schulter und drückt das schmerzende Rückgrad durch.

Sein Blick tastet dabei die Ebene ab, die vor ihm im rötlichen Dunst schwimmt.

Die Ebene ist voller Geröll. Faustgroße Steine liegen überall verstreut, schwarz und kantig, als hätte vor endlosen Zeiten ein gewaltiger Eno mit unheimlicher Kraft auf einen Felsen geschlagen, so daß der zerplatzte und seine Bestandteile wild vor Schmerzen um sich geworfen hatte.

Dieses Geröll wird ihm das Laufen schwer machen und die Füße durch die Stiefel hindurch schmerzhaft malträtieren. Er weiß das und er kann darüber nun wirklich nicht erfreut sein.

Den siebenten Tag ist er nun schon auf diesen Beinen unterwegs. Sie haben dabei schwer gelitten. Eigentlich hätte er sie längst auswechseln müssen, doch er hat nur noch ein Paar in Reserve und er weiß nicht, was noch alles auf ihn zukommt wird.

Er traut diesem Geröllfeld nicht. Zwischen den Steinen schimmert es dunkelrot. Das ist Quabalsand. Eine ernst zu nehmende Sache, denn dort verbergen sich die Tschuks, diese haarigen Biester mit ihren Dornenarmen.

Quabalsand ist genau das richtige für sie, grobkörnig und tief. Da können sie ihre Wurzeln weit in den Boden bohren und sich unter der Oberfläche ausbreiten.

Die Tschuks muß man ernst nehmen. Sie zu unterschätzen oder sie gar zu ignorieren bedeutet immer das sichere Ende. Sie stehen ganz oben in der Liste der Gefahrendatenbank und verdienen deshalb höchste Aufmerksamkeit.

Und sie sind ziemlich hinterlistig, man muß schon sehr aufpassen, daß man sie nicht übersieht und in ihre Falle tappt.

Ü ber der Oberfläche hockt nur eine Knospe, die fast genauso aussieht, wie die herumliegenden Steine. Diese Knospe aber hat es in sich.

"Sie ist ein Miststück, diese Tschuk", flüstert der Mann leise vor sich hin, während er die ersten Schritte hinaus in die Ebene geht.

"Ja, sie ist hinterlistig, feige und gemein", sinniert er weiter. "Sie bewirft dich plötzlich mit ihrem schleimigen Saft, der dir das Fleisch wegäzt. Und dann stoßen die dornigen Arme aus dem Sand und du hängst fest.

Die Knospe wächst und fängt an, dich von den Füßen her zu zersetzen und aufzusaugen. Das geht alles sehr schnell und selbst, wenn du es schaffst, das Dornengestrüpp mit dem Wooper zu zerfetzen und die Knospe zu verdampfen, wenn erst einmal die Füße weg sind, hast du ohne ein paar frische Beine keine Chance mehr. Da ist es gut, wenn du noch ein paar im Rucksack in Reserve hat", denkt er und schüttelt sich bei dem Gedanken daran, daß ihn die Tschuks plötzlich attackieren könnten.

Nein, die alten Beine müssen schon noch etwas durchhalten. Er muß sparsam mit seinen Reserven umgehen, denn der siebente Tag hat gerade erst begonnen.

Über der Ebene gewinnt das wabbernde Licht an Intensität. Der schwarze Schotter knirscht unter jedem Schritt und die größeren Steine rollen seitwärts weg.

Die Geräusche sind hier überdeutlich und irgendwie unwirklich, so als würden sich die Schallwellen nicht nach allen Seiten ausbreiten, sondern an dem Ort, an dem sie von seinen Schritten aufgewirbelt werden wie eine Staubwolke einfach hängen bleiben. Jeder Schritt klingt hohl. Das macht den Mann unsicher, denn eine solche Erfahrung mit Geräuschen hat er noch nicht gemacht.

Die Narbe auf seinem linken Oberarm beginnt sich wieder zu melden. Er tastet mit der rechten Hand nach den Einkerbungen und fährt mit den Fingern die feinen Furchen in seiner Haut entlang.

Er kann dieses Zeichen, von dem er nicht einmal weiß, wie es da hin gekommen ist immer noch nicht deuten, aber er spürt instinktiv, daß es etwas mit seinem Auftrag zu tun haben muß. Diese feinen Linien erinnert ihn irgendwie an einen Munk.

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